Plötzlich eiskalte und frostige Finger? Raynaud Syndrom? Was ist das?

Erinnerst Du Dich noch? Die Sonne brannte vom Himmel. Ein Hitzerekord jagte den anderen. Die AC lief auf Hochtouren. Ein Sprung in das lauwarme Poolwasser brachte auch nicht die gewünschte Abkühlung. Da half nur ein Griff in den Kühlschrank zur eiskalten Getränkeflasche. Aber plötzlich wurden die Finger steif, weiß, eiskalt und taub.

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Verflixt, was ist den jetzt mit meinen Händen los?

Dass wir bei klirrender Kälte und zu dünner Bekleidung frieren, ist ganz normal.

Doch manche Menschen bekommen auch im Sommer schlagartig kalte Finger und Zehen.

Eiskalte Getränke, ein Griff in die Kühltruhe, das Betreten von stark gekühlten Räumen oder das Einsteigen in klimaregulierte Autos, Flugzeuge, Busse können diese Beschwerden auslösen.

Niemand denkt dabei zunächst an eine Erkrankung.

Eine der Ursachen könnte die nach dem Arzt Maurice Raynaud (Link zu Wikipedia) benannte Durchblutungsstörung, das Raynaud Syndrom, sein.


Raynaud Syndrom? Was ist das?

Diese Erkrankung wird in der Fachsprache Morbus Raynaud genannt. Sie ist eine der Ursachen für anfallsweise kalte und sehr blasse Finger und Zehen.

Neben Finger und Zehen können die Nase, die Ohren und bei stillenden Frauen die Brustwarzen (immer nur die der stillenden Brust) betroffen sein.

Da oft die Finger betroffen sind, kennt der Volksmund die Krankheit auch als Leichenfinger. Selbst ein gängiger medizinischer Terminus (Digitus mortuus = “Totenfinger” - Link zu Wikipedia) bezieht sich darauf.


Hilfe! Leide ich am Raynaud Syndrom?

Beim Raynaud Syndrom verläuft ein Anfall krampfartig.

Es werden 3 Phasen unterschieden.

Raynaud Syndrom

Wieviele Menschen leiden am Raynaud-Syndrom?

Über die Häufigkeit der Erkrankung gibt es Statistiken aus den USA und Europa.

Die National Institutes of Health in den USA berichten, dass zwischen 5% und 10% der Gesamtbevölkerung daran leiden. Darunter sind fünfmal so viele Frauen wie Männer (Quelle: Wikipedia, abgerufen 30/10/2019)

Die DGA (Deutsche Gesellschaft für Angiologie - Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V.) schreibt in ihrem DGA-Ratgeber: Die Gefäßerkrankung Raynaud-Phänomen (Link, abgerufen am 30/10/2019), dass in Europa ca. 5% - 20% der Bevölkerung an einem Raynaud-Syndrom erkranken. Wiederum sind Frauen häufiger betroffen.


Primäres und sekundäres Syndrom

Das Syndrom tritt primär (ohne erkennbare Grunderkrankung) oder sekundär (als Begleiterkrankung) auf.

Die Ursachen, die das primäre Raynaud-Syndrom auslösen, sind noch unbekannt. 

Das sekundäre Raynaud-Syndrom kann begleitend zu einer Grunderkrankung auftreten. Es kann aber auch durch Medikamente, Chemikalien und äussere Einflüsse wie z.B. Vibrationen, Erfrierungen auftreten.

Ob es sich um ein primäres oder sekundäres Raynaud-Syndrom handelt, kann nur durch einen Arztbesuch festgestellt werden.


Wie lebt es sich mit der Diagnose: Du hast Raynaud Syndrom.

Laut DGA-Ratgeber handelt sich beim primären Raynaud-Syndrom um keine lebensbedrohliche Erkrankung. In den meisten Fällen wird das tägliche Leben nicht zu sehr beeinträchtigt.

Wie ein sekundäres Raynaud-Syndrom verläuft, hängt vor allem von der zugrundeliegenden Erkrankung ab und ob diese behandelt wird.


Allgemeine Maßnahmen bei einer Attacke?

Rasch handeln.

Eine Kälteattacke sollte nicht ignoriert werden. Die erste und wichtigste Maßnahme ist es, die Hände oder Füße sofort zu wärmen.

  • Ins Warme gehen.
  • Warmes Wasser über Finger oder Zehen laufen lassen
  • Finger und Zehen in einer Schüssel mit warmem Wasser einweichen
  • Sich entspannen und ausruhen

Tipps für den Alltag

Alltag Tipps

Warm halten

Es ist wichtig, nicht nur die Extremitäten, sondern auch den restlichen Körper warm zu halten.

  • Wetterfeste, gute Schuhe
  • Warme Socken
  • Einlegesohlen (Tipp: beheizbare Einlegesohlen)
  • Handschuhe (Tipp: Handwärmer)
  • Haube
  • Hut
  • Jacke
  • Dicke Hose etc

Weitere Tipps findest Du in meinem Blogartikel. Klicke hier.

Fingertraining

Fingertraining erhöht die Durchblutung der Fingermuskulatur.

Manche Menschen finden es auch hilfreich, isolierte Trinkgläser zu benutzen. Das Tragen von Handschuhen bei Haus- und Gartenarbeit ist auch zu empfehlen. 

Ein weiterer Tipp: Keine tiefgekühlte oder gekühlten Lebensmittel ohne Handschuhe anfassen.

Stress vermeiden bzw kontrollieren

Da Stress und emotionale Störungen einen Anfall auslösen können, kann das Erkennen und Vermeiden von Stresssituationen helfen, die Anzahl der Attacken zu minimieren.

Mit dem Rauchen aufhören

Rauchen verringert die Durchblutung in den Gefäßen.


Zusammenfassung

Typisch für das Raynaud Syndrom sind plötzlich auftretende Durchblutungsstörungen in den Fingern. Oftmals verläuft eine Attacke in drei Phasen: Die Finger färben sich zuerst weiß, dann blau und dann rot.

Seltener sind Zehen, Nase und Ohren betroffen.

Die Wissenschaft unterscheidet zwischen dem primären und dem sekundären Syndrom.

Weshalb Menschen am primären Raynaud Syndrom erkranken, ist noch unbekannt. Für das sekundäres Raynaud Syndrom können aber Grunderkrankungen, Medikamente oder auch äußere, mechanische Einflüsse (z.B. Vibrationen) verantwortlich sein.

Das Primäre ist zwar unangenehm. Aber der Verlauf ist meist harmlos. Die Lebensqualität wird meist ein wenig eingeschränkt.

Beim Sekundären ist der Verlauf wegen der unterschiedlichen Ursachen von Mensch zu Mensch unterschiedlich.



Quellen:

https://www.dga-gefaessmedizin.de/patienten/arterielle-erkrankungen/raynaud-phaenomen.html abgerufen am 30/10/2109

https://de.wikipedia.org/wiki/Raynaud-Syndrom abgerufen am 30/10/2019

DGA-Ratgeber: Die Gefäßerkrankung Raynaud-Phänomen (1. Auflage 2011, pdf-download)

Bild-, Videomaterial:
@thomaslagler

Wichtiger Hinweis: Die Informationen in diesem Blogartikel ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Experten.

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